Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Gemeinde Dietersburg  |  E-Mail: poststelle@dietersburg.de  |  Online: http://www.dietersburg.de

Kleeblatt - Gottesdienstordnung August 2017

Kleeblatt082017

Kleeblatt - Gottesdienstordnung August 2017

 

 

Liebe Pfarrangehörige,

das Schuljahr ist nun wieder mal vorbei, für manche ist es nach neun, zehn, zwölf Jahren das letzte. Es folgen nun Ausbildung oder Studium, vielleicht ein paar Monate oder länger irgendwo ganz woanders - ein Freiwilliges Soziales Jahr, einige Monate im Ausland rumtingeln um anderes zu sehen, anderes zu erleben. Jedes Schuljahresende ist so eine kleine Zäsur, die einem deutlich macht, dass die Kinder immer weniger die "eigenen" Kinder werden, immer mehr selbständige Menschen, immer mehr Erwachsene werden, immer mehr ihr ganz eigenes Leben leben.

Und das kann manchmal ganz anders aussehen, als das Leben der Eltern.

Und das kann manchmal richtig schmerzhaft sein.

Da ist der Unternehmer, der Handwerker, der Bauer, der hofft, dass die eigene Tochter, der Sohn einmal das weiterführen wird, was er aufgebaut hat. Oder von seinen Eltern übernommen hat, was vielleicht schon seit vielen Generationen, Jahrhunderten mit dem Namen, der Familie verbunden ist.

Da ist die Mutter, die einfach nur hofft, dass ihre Kinder anständige Erwachsene werden. Keine illegalen Drogen nehmen, sich das Leben auch mit Alkohol und Rauchen nicht frühzeitig kaputt machen.

Kinder sind ja etwas anderes, als Haustiere oder irgendwelche Ziergegenstände, mit denen man sein Haus, sein Leben schmückt. Obwohl manche Kinder in manchen Familien manchmal dieses Gefühl haben können. In jedem Kind möchten Eltern wenigstens ein bisschen etwas von sich selbst wiederfinden, weitergeführt, weitergelebt sehen. Möchten, dass es ihnen gut geht, dass sie das Richtige tun, die richtigen Entscheidungen treffen. In jedem Kind möchten Eltern - bewusst oder unbewusst - dass es wenigstens so einigermaßen das für gut und richtig hält, was sie selber für gut und richtig halten.

Indem sie ihre Kinder erziehen, versuchen Eltern genau das in ihren Kindern zum Leben zu bringen. Mit mehr oder weniger Energie. Mit mehr oder weniger Erfolg, mit mehr oder weniger Glück.

Und dann kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo Eltern merken, dass Ihre Kinder sich in diesem oder jenem Punkt sehr deutlich von ihnen unterscheidet. Dass es anderes für gut und richtig hält, als sie. Dass es andere Wertvorstellungen entwickelt hat. Da ist es nicht immer leicht, manchmal unmöglich, das in Gelassenheit, Abgeklärtheit oder Coolness zu ertragen. Wenn die Tochter oder der Sohn das nicht für wertvoll erachtet, was Vater oder Mutter als wertvoll ansehen.

Die Firma der Eltern? Nicht meine Welt. Das Haus der Eltern einmal übernehmen? Ich will mir mein eigenes Haus ganz anders und ganz woanders bauen. Vielleicht mal erben, um es zu verkaufen, aber mehr nicht. Am Sonntag in die Kirche gehen, vielleicht auch noch regelmäßig, wie es die Eltern machen? Auf keinen Fall. Ich brauch das zum Ausschlafen vom Feiern, ich brauch das als Zeit für meine eigene Familie oder es bedeutet mir einfach nichts. Eine Familie gründen? Meine Freundin, mit der ich jetzt seit acht Jahren alles teile auch noch heiraten? Das bedeutet ja, sich zu verpflichten, zu binden, nicht mehr alle Möglichkeiten und Freiheiten zu haben.

Und so weiter.

Und Eltern fragen sich dann, ob und was sie alles falsch gemacht haben. Inwiefern sie selber daran schuld sind, dass ihre Kinder etwas ganz anderes leben, als das, was sie ihnen 15, 18 Jahre lang versucht haben, nahezubringen, was sie selber als gut, als richtig erkannt haben. Oder erkannt zu haben glauben.

Natürlich haben sie vieles falsch gemacht.

Es geht ja auch gar nicht anders. JEDER macht so vieles in der Erziehung verkehrt. Erst recht, wenn man sich zu sehr bemüht, nichts verkehrt zu machen. Aber sich daran aufzuhängen führt zu gar nichts. Denn wahrscheinlich ist auch nichts so fehlertolerant, wie die Erziehung von Kindern. Man braucht ja nur mal schauen, was die eigenen Eltern alles an einem verkehrt gemacht haben. Und ist trotzdem kein schlechter Mensch geworden. Lebt trotzdem ein sinnvolles, anständiges Leben, was immer man darunter versteht. Oder?

Die Kinder, die jetzt vielleicht noch klein sind, die toll finden, was Mama und Papa toll finden, die an ihnen hängen, werden selbstverständlich einmal eigene Menschen mit eigenen Wertvorstellungen und eigener Verantwortlichkeit. Für die kleinen Kinder sind die Eltern noch verantwortlich. Für das Leben ihrer erwachsenen irgendwann nicht mehr. Weder moralisch, noch finanziell, noch religiös.

Es kommt der Zeitpunkt, vielleicht schon diesen Sommer, wo Ihre Kinder für sich alleine verantwortlich sind. Flügge werden. Aus dem Nest fliegen. Vielleicht sogar mehr oder auch minder sanft herausgeschubst werden müssen. Der Sinn vom Großziehen, vom Er-Ziehen ist, dass irgendwann die Kinder nicht mehr Kinder sind, sondern groß. Und selber ihr eigenes Leben leben.

Selber!

Ihr eigenes!

Ihr Pfarrer

drucken nach oben