Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Gemeinde Dietersburg  |  E-Mail: poststelle@dietersburg.de  |  Online: http://www.dietersburg.de

Kleeblatt - Gottesdienstordnung Dezember 2017

Titel 12-2017

Kleeblatt - Gottesdienstordnung Dezember 2017

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Weihnachten ist das Fest von Friede, Freude, Eierkuchen.

Diesen Spruch mit den drei F am Wortanfang hört man öfters, nicht nur auf Weihnachten bezogen. Und eigentlich immer in einem abwertenden Tonfall. Friede, Freude, Eierkuchen, damit ist gemeint, dass die Freude, der Friede nicht echt ist. Nur vorgespielt. Konflikte, Probleme und Streitigkeiten werden zumindest für eine bestimmte Zeit unter den ebenso sprichwörtlichen Teppich gekehrt. Man tut nur so, als ob alles in Ordnung wäre. Es ist nicht echt, nur vorgespielt.

Ja, das trifft auf Weihnachten schon zu.

Auf das Weihnachten, wie es mittlerweile in unsrer Gesellschaft begangen wird.

Unecht ist es. Der Friede in den Familien ist wahrscheinlich niemals so zerbrechlich, so angespannt, wie in den Wochen von Oktober bis Neujahr. Also rund um das Fest des Friedens und er Liebe. Wenn überall in den Geschäften die Lebkuchen und die Schokoladekasperl zu kaufen sind, die Plastikweihnachtsbäume, die FC-Bayern- und sonstigen Adventskalender, auf deren Bilder ich oft beim besten Willen keinen Bezug zum Stall in Bethlehem finden kann.

Ja, alle Jahre wieder wird das beklagt. Nicht nur von mir. Auch von den Notfallseelsorgern, den Feuerwehrleuten und Kriminalpolizisten, die vor allem in diesen Tagen verstärkt ausrücken müssen, weil an keinem Tag des Jahres die Zahl der Selbsttötungen so hoch ist, wie an Heiligabend. Die Telefonseelsorger haben an diesen Tagen am meisten zu tun. Gut, dass es sie gibt!

Friede, Freude, Eierkuchen. Weil eben nicht Weihnachten gefeiert wird, sondern etwas anderes. Das heißt - wird es denn überhaupt gefeiert? So gestresst und angespannt, wie die Gesichter der Menschen in den Geschäften um diese Zeit sind, der Absolventen der zahllosen "Weihnachts"-feiern der Vereine, Betriebe etc. - das habe ich Beerdigungen erlebt, auf denen die Menschen entspannter waren.

Warum ist gerade Weihnachten für so viele Menschen so schwierig, so schlimm geworden?

Ich sage, weil so viele Menschen an Weihnachten eben nicht (mehr) Weihnachten feiern, sondern etwas Unechtes, etwas Falsches, das nur so tut, als würde es angenehm sein, das nur so tut, als würde es glücklich machen. Sie begehen ein oft kritisiertes Konsumfest, das als reiner Leistungszirkus erlebt wird, gegen das die Championsleague eher ein Kinderspiel ist. Aber niemand will es sich selber oder anderen gegenüber zugeben. Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass Sie auch an Weihnachten unbedingt mit dem großen Haufen mitschwimmen müssen? Weil man sonst mit seiner Familie, mit den Kindern vor den Nachbarn, den Klassenkameraden, den Vereinskameraden dumm da steht, wenn man sich aus dem Zirkus ausklinken würde? Genieren Sie sich auch, die Kassiererin im Supermarkt zu fragen, ob sie neben den Schokoladekasperl auch noch richtige Schokolade-Nikoläuse haben? Fragen Sie sich auch, ob Ihr Kind mit dem, was es unter dem Christbaum vorfindet, mit den Klassenkameraden mithalten kann?

Das hat Gott nicht gewollt. Damals, als er seinen Sohn in Bethlehem im Stall hat geboren werden lassen. Gott wollte Frieden bringen. Und Freude. Und wie! Aber nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Weil Gott was Echtes wollte - und auch gemacht hat. Er hat wirklich seine Sohn, sich selbst in diese meine und Ihre Welt geschickt. Weil die Menschen jemanden brauchten, der ihnen den Druck nimmt, den ihre Sünden und Zwang und ihre Bosheit ihnen auferlegen. Und sie brauchen ihn immer noch. Nicht, um Stress zu erzeugen, hat Gott diese Nacht zur Weihnacht gemacht, sondern um das Gegenteil zu erreichen.

Das ist schon eher das wahre, das echte Weihnachten. Mich zu freuen, dass da einer ist, der mich so liebt, so gern hat, dass er sich selber aufmacht, um mir zu helfen. Ich darf mich darüber freuen, dass da einer ist, der sich selber engagiert, damit ich Frieden haben kann. Der sein eigenes Leben dafür einsetzt, dass ich eines in Frieden, in Freude haben kann. Dass da einer ist, der gekommen ist, um über all die Bosheiten, meine und die der anderen, zu stehen. Die Tür aufzumachen, dass ich geben kann und nicht mehr Angst haben muss, dass ich zu wenig habe, neidisch sein muss, dass jemand anders mehr bekommt oder ich wegen jemand anderem weniger habe.

Weihnachten ist Gottes Fest. Und wo Gott nur eine Nebenrolle spielt, wo er nur Maskerade ist, nur eine Märchenfigur oder gar nicht vorkommt, ja, da wird Weihnachten zum Problem. Alle Jahre wieder.

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen ein göttliches Weihnachten!

Ihr Pfarrer

 

drucken nach oben