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Kleeblatt - Gottesdienstordnung April 2018

Titel Kleeblatt Ostern 2018

Kleeblatt - Gottesdienstordnung April 2018

 

Liebe Pfarrangehörige,

wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, was würden Sie damit tun?

Klar, Zeitmaschinen gibt es nur in Science-Fiction-Geschichten. Und nicht wenige finden, dass Science-Fiction nichts mehr ist, als wie Grimms Märchen. Und übersehen dabei, wie diese Geschichten schon immer Fragen aufgeworfen haben, die in unserem Alltag zum Teil schon längst bedeutsam geworden sind. Zum Beispiel die totale Überwachung, die George Orwell in seinem Roman "1984" beschrieben hat. Oder die Auswahl und Züchtung von Menschen nach erwünschten und unerwünschten Merkmalen in Aldous Huxleys "Schöne neue Welt". Oder die Kontrolle von Informationen und Medien wie in Ray Bradburys "Fahrenheit 451". Ähnlichkeiten mit Zuständen in europäischen und außereuropäischen Ländern, mit gewählten und ungewählten Machthabern sind frappierend. Für den, der Augen und Ohren öffnet.

Aber klar, Zeitmaschinen gibt es nun mal nicht. Und ich rechne auch nicht damit, dass es sie jemals gibt. Schon gar nicht, dass ich es erleben oder gar benutzen könnte. Und trotzdem: Was wäre, wenn? Einfach mal ein Gedankenexperiment machen: Würden Sie in die Zukunft fahren? Die Lottozahlen von nächster Woche erfahren? In die Vergangenheit? Mit Dinosaurier spielen? Bei echten Ritterspielen dabei sein? Die Geschichte ändern? Hitler erschießen? Den einen oder anderen großen Fehler in Ihrer eigenen Vergangenheit ausbügeln? Einem Menschen, der jetzt nicht mehr lebt, etwas sagen, das Ihnen auf dem Herzen liegt - und ungesagt blieb?

Ich würde mit einer Zeitmaschine knapp 2.000 Jahre in die Vergangenheit zurück nach Israel fahren. Ok, mein Hebräisch ist mittlerweile miserabel, ich müsste vorher noch einige Monate investieren, um es aufzupolieren. Latein und Griechisch aufpolieren wären dafür auch nicht schlecht. Aber sagen wir mal, das wäre abgehakt. Dann nichts wie weg ins Jahr 28 oder 29 nach Israel. Und diesen Jesus einmal selber anhören. Ein paar Fragen stellen: "Wie meinst du das? Und was sagst du zu diesem Thema?" Dabei sein, wenn wirklich Lazarus aus dem Gestank seiner Grabeshöhle wieder heraustritt. Die Kreuzigung beobachten. Cool wäre natürlich ein Händi, mit dem so ganz verstohlen das eine oder andere Foto geschossen werden könnte. Klar, darf niemand mitbekommen. Und klar, das würde niemand glauben; es sei denn, Zeitmaschinen wären nichts Besonderes mehr.

Und: Ich würde mich beim Grab verstecken. Ich würde sehen wollen, was da passierte. Wie die Auferstehung ablief.

Hätte ich was gesehen?

In einem Film würde die Auferstehung wahrscheinlich irgendwie so dargestellt werden, dass da ein besonderer Lichtschein aufleuchtet, vielleicht noch irgendeine Sphärenmusik und wie von Geisterhand würde der Verschlussstein wegrollen. Würde ich dann Jesus heraustreten sehen? Den einen oder anderen Engel? Würde ich vor Ehrfurcht, vor Erstaunen oder Ergriffenheit in Ohnmacht fallen? Würde Jesus wissen, dass ich da bin und alles beobachte? Ein Blitzstrahl aus seinen durchbohrten Händen mich pulverisieren?

Sie merken: Mehr und mehr wird dieses Gedankenexperiment zu einer eher schlechten Science-Fiction, zu einem klischeehaften Film, der höchstens fürs Privatfernsehen taugt.

Es ist nämlich vollkommen egal, ob jemand "dabei" war bei Jesus, oder nicht. Diejenigen, die das alles erlebt haben, haben einem Christen 2.000 Jahre später überhaupt nichts voraus. Nicht mal, wenn sie die Auferstehung live miterlebt hätten. Menschen haben damals Wunder erlebt: Heilungen, Totenerweckungen, Erscheinungen, Dämonenaustreibungen - und es kamen auch nicht alle zum Glauben, die das miterlebt hatten. Die Menschen haben damals ihrem eigenen Erleben nicht geglaubt - warum sollte das anders sein, wenn ich in einer Zeitmaschine säße?

Die Apostel haben es berichtet - nachdem ihnen die Frauen die frohe Botschaft verkündeten: Jesus lebt! Das Grab ist leer! Das kann ich glauben, oder nicht. Jesus ist ihnen erschienen als Auferstandener, hat mit ihnen gegessen. Das kann ich glauben, oder nicht.

Gott wirkt und handelt und spricht heute ebenfalls. Zu Ihnen, zu mir, zu jedem, der sein Herz ihm öffnet. Das kann ich glauben, oder als Einbildung abtun. Wo ist der Unterschied zu damals? Es gibt Menschen, die Gott heute ernst nehmen und andere, die das als Unsinn abtun, als psychologisches, soziologisches oder sonst wie -logisches Phänomen.

Die Zeitmaschine würde mir meine eigene höchstpersönliche Antwort nicht abnehmen auf die Fragen, die an jeden einzelnen Menschen gestellt werden: Glaubst du, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist? Glaubst du, dass er dich erlöst hat? Glaubst du, dass du wegen ihm ewig leben darfst, der Tod bei dir nicht das letzte Wort hat? Glaubst du, dass Gott sich in ihm und durch ihn offenbart hat? Glaubst du, dass er gestorben ist - für dich - und auferstanden ist, wirklich - für dich?

Die Osterwoche zu feiern, von Palmsonntag bis zur Osternacht - sie wirklich aus dem Herzen mitzufeiern und nicht als ein beliebiges Folklorefestival oder als Pflichtübung anzusehen - ist ein lautes und festes und lebendiges "JA" auf diese Fragen.

Ihr Pfarrer

 

 

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