Pfarrbrief - Gottesdienstordnung Juli 2019

Pfarrbrieftitel 07-19

Pfarrbrief- Gottesdienstordnung Juli 2019

Liebe Pfarrangehörige,

seit dem II. Vatikanischen Konzil, das vor rund 50 Jahren zu Ende gegangen ist, wird im Gottesdienst weitestgehend deutsch gesprochen. Und trotzdem gibt es den einen oder anderen Begriff, der einem komisch vorkommt. Obwohl man ihn täglich oder wöchentlich benutzt, mitbetet, hört, ohne darüber nachzudenken. Vielleicht sind es eher Kinder, die sich darüber wundern können und dann auch noch die Unbefangenheit besitzen, nachzufragen. Als Kind hab ich mich leider nie getraut, nachzufragen, was mit "Geheimnis des Glaubens" gemeint ist.

Dieser Satz, diese Aufforderung, nach der sich so mancher wieder hinsetzt, anstatt knien zu bleiben, war mir ein Rätsel. Ein Geheimnis ist ja etwas, das man niemandem weitersagen darf. Doch welchen Sinn hätte solch ein Geheimnis, wenn 200, 300 Leute in der Kirche dann das nachmurmeln, was so geheim sein soll? Und was ist am christkatholischen Glauben denn so geheimnisvoll, dass es niemand wissen darf? Das Christentum ist ja keine esoterische, freimaurerische Geheimsache hinter verschlossenen Türen, in die man nur nach irgendwelchen Mutproben oder Geheimhaltungsschwüren Eingang findet, sondern genau das Gegenteil.

Es hat lang gedauert - auch, weil ich niemals jemanden fragte, der mir Auskunft hätte geben können - bis man mir lapidar sagte, dass dieses "Geheimnis" nichts anders als die Übersetzung des lateinischen Wortes "Mysterium" ist. Und ein Mysterium ist natürlich nichts, das man nicht weitersagen darf, sondern etwas, das man mit dem Verstand nicht so richtig erfassen kann. So etwas wie "Wunder" oder "Unbegreiflichkeit" eben. Vielleicht hätte man dieses Mysterium einfach unübersetzt lassen sollen. Wohl jeder hätte sich bei diesem Wort so ungefähr vorstellen können, was damit gemeint ist. Es ist ja wirklich wundersam, unbegreiflich, dass jemand, der wirklich tot war, wieder wirklich lebendig wird. In den Himmel (auch so ein Mysterium…) auffährt und eines Tages wiederkommen wird.

Ähnlich - und da weiß ich, dass ich damit nicht alleine bin - ging es mir jahrelang mit dem Wort "gebenedeit", das im "Gegrüßet seist du Maria" vorkommt und bei jedem Rosenkranz mehr als 50 mal gebetet wird. Gebenedeit aber heißt nichts anderes, als "gesegnet". Wahrscheinlich aus Tradition oder weil das Wort so gut klingt, hat man es beim eher unverständlichen "gebenedeit" belassen. Und in Kauf genommen, dass  Millionen etwas beten, das sie nicht verstehen. Oder hat man das früher öfter erklärt?

Ein ähnliches Rätsel ist immer wieder der "eingeborene Sohn", der zum Beispiel im Glaubensbekenntnis, dem Credo erwähnt wird. Ist Jesus in Afrika geboren worden? Kommt er aus irgendeinem Stamm von Naturvölkern? Gab es in Israel Eingeborene, die vielleicht in Baströckchen Regentänze veranstalten oder irgendwelche andere Klischeevorstellungen erfüllten? Als Kind - und nicht nur als solches - können einen solche Rätsel ja zu sehr interessanten Antwortversuchen verleiten.

Natürlich ist nichts davon war. "Eingeboren" ist nur die Verkürzung von "einzig geboren". Jesus ist der einzige Sohn Gottes. Warum man nicht schon längst "eingeboren" im Credo und anderen Geboten zum weniger verwirrenden "einziggeboren" geändert hat? Ich weiß es nicht…

Lange habe ich auch gerätselt, was die Gottesmutter Maria oder ihre Darstellungen mit dem Land von Shakespeare und den Beatles, der Queen Elizabeth und dem Linksverkehr zu tun hat. "…kann Schönres nicht malen ein englische Hand" heißt es im Lied "Die Schönste von allen (GL Nr. 887). Und in der nächsten Strophe: "… mit englischem Schritt der höllischen Schlange den Kopf sie zertritt." Zertreten Engländer Schlangen anders, als Deutsche oder Spanier oder Franzosen? Nicht, dass mir dieser Gedanke überhaupt sympathisch wäre. Gehen die anders? Stechschritt? Tanzschritt?

Haben englische Künstler einen anderen Malstil? Wenn ja, welchen? Nicht, dass mir jetzt ein berühmter englischer Maler einfallen würde.

"Englisch", das hab ich dann doch irgendwann selber gemerkt, hat in diesem Fall nichts mit den Briten zu tun. Es ist nur eine dichterische Form von "engelshaft" oder "engelsgleich" bzw. "einem Engel gehörend". Dichter reden und schreiben ja oft mal ein wenig anders, als normale Leute.

Vielleicht hat sich mit diesen Zeilen auch bei Ihnen das eine oder andere Rätsel gelöst. Man sollte gerade in Glaubensdingen vielleicht viel öfter fragen. Etwas, das man nicht versteht, nicht einfach so hinnehmen und schlucken. Das aber gilt nicht nur in religiösen Dingen. Man sollte viel öfter fragen und nicht einfach nur Unverständliches so hinnehmen.

Ihr Pfarrer

 

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